#mundauf – Der Umgang der Medien mit der AfD

Nicht noch ein Beitrag über die gestrige Wahl? Schon genervt von der vollen Timeline mit Beiträgen über die „schockierenden Wahlergebnisse“? Dann bitte einfach weiter klicken.

Mich lassen die Ergebnisse jedoch alles andere als kalt.  Deshalb: #mundauf. Jetzt!

mundauf

Das Gute zuerst:

Die Wahlergebnisse werden hier und da versucht schön zu reden. Kann man machen, muss man aber nicht. Das einzige was vielleicht ein wirklicher Gewinn für die Demokratie sein könnte, wäre eine mögliche Re-Politisierung vieler gesellschaftlicher Akteure – auch der Sozialen Arbeit.

Ich bin weit davon entfernt jemandem meine politische Meinung aufzudrücken. Aber ich liebe die Auseinandersetzung – gerne auch kontrovers. Doch die meisten Gesprächspartner_innen in meinem beruflichen oder privaten Kontext sind relativ nah bei mir – zumindest kann man sich immer wieder auf Mindeststandards und verbindliche Werte einigen.

Warum starte ich nun also diese Beitragsreihe unter #mundauf? Aus Sicht eines medienaffinen Sozialarbeiters will ich die nächsten Monate immer wieder über einige Beobachtungen berichten, welche mich irritieren.

Beginnen möchte ich mit der gestrigen Berichterstattung über den Ausgang der Wahlen:

#Lügenpresse: Umgang der Medien mit der AfD

Gestern wurde etwas sehr offensichtlich, was viele „Wutbürger_innen“ offensichtlich mit „Lügenpresse“ skandieren oder zumindest mit „tendenziöser Berichterstattung“ ansprechen:

Bei fast jeder Gesprächsrunde mit den jeweiligen Spitzenpolitikern, welche ich sehen konnte, war augenscheinlich, dass trotz des fulminanten Wahlerfolges der Alternative für Deutschland die Vertreter_innen dieser Neu-Partei fast ausschließlich am Ende jeder Runde zu Wort kamen. Darüber hinaus konnte man den unangenehmen Eindruck bekommen, dass die jeweiligen Moderator_innen den AfDlern – ungeachtet des Wählervotums – nur geringe Redeanteile zugestanden und diese schneller unterbrachen.

Warum das aus meiner Sicht fatal ist? Es entsteht – nicht nur bei den rechtskonservativen und „Protestwählern“ – zurecht der Eindruck, dass mit der AfD nicht wie mit jeder anderen Partei umgegangen wird. Zugegeben: Dies ist sie ja auch mitnichten. Dennoch: Der Vertrauensverlust in die Medien ist eklatant. Und so ist es kein Wunder, dass neuere und bewusst gesteuerte Medienkanäle immer populärer werden – zuweilen die der eigenen Partei oder deren Sympathisanten.

Souveräner Umgang?!

Spätestens nach diesem Wahlsonntag kommen auch die Medienvertreter nicht umhin, sich näher und vielleicht auch anders mit der AfD auseinander zu setzen. Wie, wenn nicht beispielsweise durch höhere Redeanteile, können sich die Politiker_innen der Rechten wirklich offenbaren? Rede und Gegenrede. Aber bitte nicht versuchen etwas künstlich klein zu halten, was offenbar Widerhall in der Gesellschaft findet. Der/die gemeine Zuschauer_in ist mitnichten so dumm. Ebenso wenig wie die AfDler nicht so geschickt wären, dies später zu ihren Gunsten zu nutzen.

Die politische und mediale Auseinandersetzung mit den Rechten – so könnte man meinen – war lange Jahre nicht Bestandteil der Agenda. Und so fehlen vielleicht dem ein oder anderen Medienmacher_in, Politiker_innen aber auch anderen Menschen das Handwerks- und Rüstzeug die Reden der AfDler zu entzaubern.

Beitragsreihe #mundauf

Gerne würde ich andere bloggende Sozialarbeiter_innen dazu aufrufen, sich ebenfalls dem Phänomen anzunehmen. Was sind Eure Erfahrungen in der täglichen Arbeit? Ihr arbeitet mit geflüchteten Menschen zusammen, seid Leiter_in eines Jugendtreffs oder sogar in einem Aussteigerprogrammen für Rechte? Lasst uns ins Gespräch kommen! Denn die Soziale Arbeit ist sicherlich vieles, aber hoffentlich nicht unpolitisch.

Empfehlung zum Weiterlesen:

Was ist, wenn man der AfD doofe Fragen stellt

 

Veröffentlicht von

BG

Mein Name ist Benedikt Geyer. Auf meiner Seite verblogge ich Interessantes rund um die Soziale Arbeit & neuere Medien und deren gegenseitige Wechselwirkung.

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