[Interview] Reyk Sonnenschein von Soziago.de

TRANSPARENZ FÜR DIE SOZIALARBEIT

Soziago ist das Online-Portal für Soziale Arbeit – wie Pflege, Kinderbetreuung, Jugendhilfe, Behindertenhilfe u.v.m.! Wir wollen mit Informationen und Bewertung in diesem wichtigen gesellschaftlichen Bereich Transparenz und Übersicht schaffen, um betroffenen Menschen mehr Selbstbestimmung zu geben. (Quelle: soziago.de)
Mit diesem Motto treten Reyk Sonnenschein und sein Team an. In Hamburg traf ich den Gründer des social impact start-ups, um ihm ein paar Fragen zu stellen. Über die Plattform, Soziale Arbeit und Medien, Kund_innen und Klientel der Sozialen Arbeit und natürlich über Transparenz in der Sozialwirtschaft.

 

B/G: Danke, dass wir hier sein dürfen für das Gespräch.

Reyk Sonnenschein: Ja, gerne.

B/G: Stell dich vielleicht mal kurz vor. Was machst Du hier und wer genau bist Du?

Reyk Sonnenschein: Ich bin Reyk Sonnenschein, 36 Jahre und Diplom Sozialarbeiter / Sozialpädagoge und Master in Sozialmanagement. Seit 15 Jahren bin ich in der Sozialarbeit tätig – wenn man den Zivildienst mitrechnet. Während des Studiums aber auch im privaten Bereich bin ich immer über das Thema „Kundenorientierung“ und „Feedback“ gestolpert. Ich habe festgestellt, dass es da nicht viel gibt und es gerade im digitalen Bereich wenig Informationen gibt, insbesondere auch für Laien.

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Reyk Sonnenschein erklärt die Idee hinter seiner Plattform soziago.de

B/G: Wir sind auch gleich schon beim Thema und Deiner Idee von einer neuartigen Plattform. Kannst Du noch mal genauer beschreiben, worum es gehen soll?

Reyk Sonnenschein: Es ist in erster Line eine Plattform, die der Kundenorientierung dient. Die Kunden Sozialer Arbeit sollen darüber die Unternehmen, die sie brauchen, und Informationen über diese finden. Nicht nur über die einzelnen Unternehmen, sondern über den ganzen Bereich, für den sie sich interessieren.

Sodass man beispielsweise, wenn man nach einer Hilfe für behinderte Menschen sucht, nicht nur die verschiedenen Träger findet, sondern auch die Informationen und Anträge – und zwar in einer verständlichen Sprache. Denn natürlich findet man auch jetzt schon Informationen auch für Laien, jedoch sind diese oftmals viel zu komplex dargestellt. Und diese Informationen wollen wir so darstellen, dass sie für jeden verständlich, gut auffindbar und mit den verschiedenen Sozialunternehmen direkt verknüpft sind.

Darüber hinaus soll es den Unternehmen dienen, sich im Internet besser darzustellen, besser gefunden werden zu können und besser für die Kunden da sein zu können.

Das hört sich nach einer Mammut-Aufgabe an…

B/G: Hört sich erst mal nach einer Mammut-Aufgabe an. Der Sozialmarkt ist mit einer der größten, mit vielen Beschäftigten. Es gibt zahllose Unternehmen. Wie würdet ihr die Einpflegung der Daten vornehmen? Und wieviel Mann/Frau seid ihr derzeit?

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Das Logo von soziago.de

Reyk Sonnenschein: Wir sind derzeit zu dritt. Wir starten natürlich erst mal hier in Hamburg – nicht bundesweit. Die Einträge werden von uns eingepflegt. Nur so können wir gewährleisten, dass die Plattform aktuell und vollständig ist und auch nur dann wird die Kundschaft sie nutzen. Wenn man darauf wartet, dass die Unternehmen sich selbst eintragen, würde sie nicht genutzt. Das was es schon gibt ist zum einen nicht vollständig und zum anderen von der Handhabung unglücklich. Weil uns die gute Nutzbarkeit der Datenbank so wichtig ist, greifen wir auf verschiedene Quellen zurück, um Vollständigkeit zu garantieren.

B/G:  Mal eine generelle Frage, als eine Art kleiner Exkurs: Soziale Arbeit und Medien – wie sind da Deine Erfahrungen? Die Klientel Sozialer Arbeit nutzt – so mein Eindruck – Medien ganz selbstverständlich. Nur schaut man sich Internetauftritte der Sozialen Arbeit an bekommt man teilweise das große Grauen. Wie siehst Du das?

Reyk Sonnenschein: Ich finde, es gibt durchaus Unternehmen, bei denen man sieht, dass diese sehr bemüht sind. Es gibt auch welche, die sind noch nicht so weit, es gibt sogar Unternehmen ohne Webseite. Auch das funktioniert und geht irgendwie.

Es gibt hierbei eine große Bandbreite und dennoch wird der Bereich immer wichtiger werden. Denn wie du sagst – die Kunden nutzen Medien immer mehr. Ein Smartphone zu besitzen ist heute selbstverständlich. Und damit gehen die Menschen online, informieren sich und wollen wissen „Wer ist mein Gegenüber“.  Hierbei ist auch wichtig zu überlegen, welcher mediale Auftritt zum Unternehmen passt. Ein Beispiel: Ich weiß nicht, ob ein Träger der Sozialpsychiatrie auf facebook richtig aufgehoben ist.

 Kunde/Kundin vs. Klient/Klientin

B/G: Du sprichst – was mir sehr auffällt – häufig von Kunden und nicht von der Klientel der Sozialen Arbeit. Wenn wir bei Kunden sind, sind wir auch ganz schnell in der freien Wirtschaft – auch Ihr müsst Euch irgendwie finanzieren.

Reyk Sonnenschein: Der Kunden-Begriff ist ja in der Sozialen Arbeit immer ein großer Diskussionspunkt. Sind es Kunden sind es Klienten? Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir von Sozialunternehmen sprechen, die Dienstleistungen erbringen und deren Kunden. Diese Wortwahl führt dazu, dass wir mehr in die ressourcenorientierte Richtung schauen.

Wie wir unser Geschäftsmodell aufstellen: Uns ist ganz wichtig, dass die Kunden der Sozialen Arbeit die Plattform kostenfrei nutzen können, denn das sind unsere User. Es ist uns wichtig, dass hier keine Barrieren zu den Informationen auf unserer Plattform entstehen.

Davon abgesehen glaube ich, dass man mit dem Verkauf von Informationen im Internet kein Geld verdienen kann. Unser Geld verdienen wollen wir mit der Serviceleistung für die Unternehmen: Zum einen stellen wir diesen unsere Plattform zur Verfügung, über die sie sich gut darstellen und ihre Präsenz professionell gestalten können. Darüber hinaus können sie die Dienstleistung erwerben, sich das Feedback der Kunden über uns einholen zu lassen, sodass es das Unternehmen auch für die Organisationsentwicklung nutzen kann.

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Im social impact lab hat Reyk Sonnenschein mit seinem Team Platz gefunden.

B/G: Also klassisches Qualitätsmanagement betreiben kann?

… klassisches Qualitätsmanagement betreiben…

Reyk Sonnenschein: Ja, also dass das Feedback für die Betriebsprozesse kompatibel ist, sodass man damit Qualitätsmanagement betreiben kann. Es ist ja ein enormer Aufwand beispielsweise 150 Kundenfragebögen händisch auszuwerten und die Ergebnisse auch noch zu interpretieren.

Indem wir diesen Schritt digitalisieren und auch standardisieren schaffen wir eine Möglichkeit, dies für eine weitere Organisationsentwicklung zu nutzen. Das ist das, was unsere Dienstleistung ausmacht: Moderne Präsentation für Unternehmen und ein Feedback-System, das für die Organisation wirklich nutzbar ist.

 

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Und so sieht die Startseite von Soziago.de derzeit aus.

Leila Grosse: Wenn ich da einhaken darf, was ich hierbei sehr schwierig finde: Qualitätsanspruch in der Sozialen Arbeit ist etwas sehr ambivalentes und ist durch die Klientel oft gar nicht zu fassen. Im Weiterbildungssystem ist das anders. Hier ist Feedback sicherlich einfacher einzuholen. Klientel Sozialer Arbeit kann da die geleistete Arbeit anders einschätzen. Es kann also sein, dass qualitativ hochwertig gearbeitet wurde, aber das Feedback fällt eher schlecht aus. Wie geht Ihr damit um?

Bewertung von Zwangskontexten?

Reyk Sonnenschein: Du spielst vielleicht auf den Bereich Zwangskontexte an, in denen Menschen nicht freiwillig beispielsweise an einer Maßnahme teilnehmen? Ich denke, dass erst mal jeder Kunde dennoch das Recht hat, Feedback zu geben und dieses auch gehört werden muss. Dennoch: Wenn die Maßnahme richtig gemacht wird, wird es auch vom Kunden verstanden.

In dem System was wir entwickelt haben, haben wir aber auch die Sicherheit für die Unternehmen drin, dass beispielsweise niemand mit einer akuten Psychose auf Soziago einfach „ablästern“ kann. Die berechtigte Kritik soll aber auch Gehör finden. Das haben wir unserer Meinung nach gut gelöst.

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B/G:  Man weiß auch, dass es bei Amazon Produkte gibt, bei denen lediglich Produkttestende die Rezensionen schreiben. Darüber hinaus gibt es auch Firmen die Fake-Rezensionen anbieten.

Worauf ich hinaus will: Inwiefern schätzt ihr ein, werden Kunden wirklich auf Eure Plattform gehen und eine Bewertung abgeben? Es werden doch wohl eher die sein, die sehr zufrieden oder sehr unzufrieden sind. Was macht ihr mit denen die dazwischen liegen? Worin besteht der Benefit für diese Klientel? Werde ich auf Eurer Plattform also nur Unternehmen mit TOP-Bewertungen finden?

Reyk Sonnenschein: Nein, es ist uns schon wichtig, dass unsere User Feedback abgeben können, das passt. Unternehmen müssen aber auch die Sicherheit haben, nicht plötzlich von einigen wenigen „öffentlich zerfleddert“ zu werden. Das ist ganz wichtig für uns. Einerseits sich in den Kunden hineinzuversetzen, andererseits den Blick des Unternehmens einzunehmen. Deshalb sollte solch eine Plattform auch aus der Branche der „Sozialen Arbeit“ selbst entstehen.

B/G: Magst Du zum Schluss noch sagen, welche Bereiche der Sozialen Arbeit Ihr mit integrieren wollt? Wollt ihr allumfassend den sozialen Markt abdecken?

Reyk Sonnenschein: Wir wollen schon für die gesamte Branche da sein, werden aber nicht alles von Anfang an bedienen können, das würde nicht funktionieren. Wir werden das schrittweise ausbauen, beispielsweise fangen wir zunächst mit Kindergärten an.

B/G: Wie ist der aktuelle Stand bei Euch – wie weit seid ihr?

Reyk Sonnenschein: Hoffentlich können wir ab Januar mit unserer Testphase beginnen. Wir haben unseren Fragebogen und alles was dazugehört entwickelt und durch die erste Pre-Alpha-Testphase geschickt. Jetzt wollen wir mit ersten Einrichtungen den ersten Praxistest machen, hierfür haben wir auch bereits Kooperationspartner gefunden. Danach wollen wir zügig dazu kommen, unsere Webseite veröffentlichen – erst in Hamburg, danach soll es weiter gehen.

Auf unserer Webseite kann man schon mal sehen, wie es grafisch aussehen wird. Wir freuen uns auch über Feedback von den Besuchern!

B/G: Allerletzte Frage: Ihr seid ein social impact start-up. Magst Du kurz sagen, was das bedeutet? Und wenn jemand auf Euch aufmerksam wird, wo kann er oder sie Euch supporten oder wie kann man Kontakt zu Euch herstellen?

Reyk Sonnenschein: Über den Begriff „social impact“ kann man mehrere Diplom- und Masterarbeiten schreiben. Wir haben ihn für uns so definiert: Wir haben einen impact [Einfluss, B/G.] auf die Gesellschaft, der von Nutzen ist und der sich positiv auf die Gesellschaft auswirken soll. Hinter unserem Start-Up steckt eben auch ein sozialer Gedanke.

Unterstützen kann man uns durch die Abstimmung bei R+V (LINK). Ansonsten freuen wir uns über jedes Like auf Facebook, redet gerne über uns und sprecht uns direkt an, wenn es Fragen oder Feedback gibt.

B/G: Danke für das Interview.

Reyk Sonnenschein: Ja, gerne

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Nachtrag:

Am 22.12.2015 veröffentlichte das Team rund um Reyk Sonnenschein ein Video, welches die wichtigsten Funktionen von soziago noch ein mal visuell darstell:

 

 

Veröffentlicht von

BG

Mein Name ist Benedikt Geyer. Auf meiner Seite verblogge ich Interessantes rund um die Soziale Arbeit & neuere Medien und deren gegenseitige Wechselwirkung.

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