[Interview] gesis – SOFISwiki

Das  GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften bietet eine Reihe von (wissenschaftlichen) Dienstleistungen an. Darunter befindet sich das kostenfrei zugängliche SOFISwiki. Dabei handelt es sich um eine Datenbank mit Projektbeschreibungen zu geplanten, laufenden und abgeschlossenen Forschungsprojekten, Promotions- und Habilitationsprojekten sowie einer Institutionendatenbank.

GESIS_Logo_kompakt_dt

Mit den Verantwortlichen von GESIS für das SOFISwiki – Stefan Jakowatz und Annika Marth – konnte ich ein Interview führen:

B/G: Zunächst einmal vielen Dank, dass Sie sich für das Interview Zeit nehmen. Können Sie kurz Beschreiben was Sie im Bereich SOFISwiki machen?

Jakowatz/Marth: Das SOFIS(wiki) hat eine dreißigjährige Geschichte in Vorgängerversionen. Das Projekt wurde aus der Absicht heraus initiiert, die sozialwissenschaftliche Forschung zu dokumentieren, in einer Zeit in der die Informationstechnologie noch nicht so weit war. Seit dieser Zeit hat sich natürlich einiges getan und die Erhebungsmethoden wären heute nicht mehr zeitgemäß.

Beim SOFISwiki kann man laufende und geplante Projekte veröffentliche und somit diese Forschungsarbeit für die Scientific Community sichtbar machen. Als zentrale Datenbank zu sozialwissenschaftlichen Forschungsaktivitäten in den deutschsprachigen Ländern bietet SOFIS aktuelle Informationen zu circa 55600 Projekten.

B/G: Woher gewinnen Sie diese Daten?

Jakowatz/Marth: Wir kooperieren mit Forschungs- und Dokumentationseinrichtungen, die uns Projekte melden. Aber es darf sich auch jeder beteiligen eigenständig Projekte einzupflegen. Bei diesen Personen fragen wir auch in regelmäßigen Abständen nach dem jeweiligen Stand der Forschung nach. Jährlich gewinnen wir so circa 3500 Projekte für unsere Datenbank durch „Selbstmeldungen“ hinzu – 800 Einträge generieren wir durch Kooperationen.

Wir führen jedes Jahr eine Erhebung durch, bei welcher wir laufende Dissertations- und Habilitationsprojekte aber auch geplante Vorhaben erheben. Es gibt also mehrere Wege, wie wir an die Daten herankommen. Somit haben wir dann auch einen reichhaltigen Satz an Literatur.

gesis-webseite

B/G: Können Sie ein Anwendungsbeispiel für Ihre Datenbank geben?

Jakowatz/Marth: Das SOFISwiki zielt meist eher auf den Mittelbau. Spitzenforscher und Spitzenforscherinnen haben oft ihre eigenen Netzwerke und Informationskanäle, somit kennen sie ihr spezifisches Feld eigentlich sehr gut.

Wir sprechen Studierende und Promotionsstudierende an: Das Wiki bietet sich also an, um schon einmal vorab in einer ersten Recherche zu sehen, in welchem Feld man ggf. sein eigenes Vorhaben platzieren kann. Sprich: Welche Projekte gibt es schon zu dem jeweiligen Themengebiet und wie gut sind diese bearbeitet.

Doch auch für Spitzenforscherinnen und -forscher, Projektverantwortliche und Lehrstuhlinhabende dient das Wiki als Repräsentationsplattform und Schaufenster für die eigene Arbeit – dies ist hier ein entscheidende Motivation unser Plattform zu nutzen.

B/G: Durch die Eintragung in Ihr Wiki, bieten Sie den Usern auch eine große Zahl an potentiellen Abrufen an. Weshalb kann es sinnvoll sein, ein Projekt in Ihre Datenbank einzupflegen?

Jakowatz/Marth: Durchschnittlich haben wir eine wöchentliche Nutzungszahl von 2000 bis 2500. Und die Wissenschaft lebt natürlich vom Informationsaustausch. Und gerade der Mittelbau ist auf Kooperationen und Netzwerke angewiesen. Hier befördert SOFISwiki den Austausch. Es ist günstig für Promovenden ihre Vorhaben oder laufenden Arbeiten einzustellen, um sich auch in diesem Bereich sichtbar zu machen. So können zum Beispiel schnell Kontakte hergestellt oder Kooperationen möglich werden.

B/G: Während der Promotion/Habilitation befindet man sich in einem kompetitiven Feld. Besteht nicht die Gefahr, dass Themen fremd verwandt werden, wenn diese bei Ihnen eingetragen und veröffentlicht werden?

Jakowatz/Marth: Wir glauben nicht, dass das Forschungsfeld so kompetitiv ist, dass hierdurch Nachteile entstehen können. Die Vorteile überwiegen ganz klar. In den naturwissenschaftlichen Bereichen ist das natürlich etwas Anderes. Darüber hinaus sind die Angaben auch eher allgemein gehalten, sodass ein Ideenklau schwer möglich ist. Im Vordergrund steht der Wissenstransfer in dem Bereich sowie der Vernetzungsgedanke.

B/G: Wie kamen Sie auf die Idee die Datenbank als Wiki anzulegen und welche Vorteile ergeben sich hieraus?

Jakowatz/Marth: Die Nutzer können ihre Projekte so direkt eintragen, online stellen und aber auch zu jedem Zeitpunkt editieren. Diese stehen dann für alle zur Verfügung. Andere Verfahren – wie die postalische Befragung von Institutionen – wäre auch einfach nicht mehr State oft the Art. Wir haben uns überlegt, welche modernen Strukturen wir nutzen können, mit relativ geringem Personalaufwand. Und hier bietet die Wiki-Plattform viele Möglichkeiten an: Das kollaborative Arbeiten wird befördert, es ist einfach zu nutzen und vielen ist ein Wiki von der Funktionsweise vertraut.

Natürlich profitieren wir auch von der großen Entwickler-Community, welch hinter Wiki steht. Das System hat sich in den Jahren auch absolut bewährt.280px-Sofis-Wordle-S3

B/G: Sie bieten Ihren Nutzerinnen und Nutzern auch an, Beiträge nach einer Registrierung zu editieren. Wird dieses Angebot angenommen?

Jakowatz/Marth: Auf jeden Fall. Wir haben relativ hohe Aktualisierungszahlen. Das ist natürlich von unserem Monitoring abhängig. Wir lassen uns jährlich vielfältige Aktionen einfallen, um Nutzerinnen und Nutzer zu motivieren ihre Projekte zu aktualisieren. Letztes Jahr hatten wir zum Beispiel 2500 Aktualisierungen von bestehenden Datensätzen.

B/G: Es ist mir keine verlässliche Statik bekannt, welche die Zahl der laufenden Dissertationsprojekte erfasst. Können Sie prozentual abschätzen wie viele Dissertationsprojekte Sie erfassen?

Jakowatz/Marth: Nein, hier ist es schwierig verlässliche Zahlen zu erhalten. Eine Schätzung unser Abdeckung können wir de facto nicht leisten. Hierfür hätten wir auch kein verlässliches Verfahren.

B/G: Sie haben die Vorteile zu Beginn benannt, für Menschen die gerade Promovieren bzw. Studierenden sich bei Ihnen zu informieren. Sind Sie im Gespräch mit universitären Einrichtungen um Kooperationen für die Meldung von Promotionen zu verbessern?

Jakowatz/Marth: Wir versuchen natürlich stetig unsere Kooperationen auszubauen. Aber wir haben auch schon erfolgreiche universitäre und vor allem außeruniversitäre Kooperationen mit Partnern. Für Universitäten bedeutet es natürlich auch einen gewissen Aufwand uns Projekte zu melden. Dies liegt zum Teil an den verwendeten Managementsystemen. Im letzten Jahr haben wir aber begonnen uns enger mit Promotionskollegs und Graduiertenschulen zu verzahnen. Das benötigt jedoch etwas Zeit dies bei uns einzuspielen.

B/G: Vielleicht zum Schluss: Wie kann ich mich über das SOFISwiki weiter informieren und wo kann ich Beiträge einstellen?

Jakowatz/Marth: Das ist ganz einfach auf unserer Webseite möglich. Klicken Sie einfach auf „Neues Projekt anlegen“ und schon können Sie nach der Registrierung loslegen. Ich lade alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem sozialwissenschaftlichen Bereich ein, dies zu tun.

B/G: Vielen Dank für das freundliche Gespräch.

Veröffentlicht von

BG

Mein Name ist Benedikt Geyer. Auf meiner Seite verblogge ich Interessantes rund um die Soziale Arbeit & neuere Medien und deren gegenseitige Wechselwirkung.

Feedback wanted :)